Solarenergie unter der Lupe: Irrtümer, Fakten und Realität

Mythos 1: Solarpanels bestehen aus seltenen Erden
Photovoltaikanlagen benötigen keine seltenen Erden. Handelsübliche Silizium-Solarmodule, die über 97 % des Marktes ausmachen, bestehen überwiegend aus Glas, Aluminium, Silizium und Kunststoffen: Materialien, die weltweit verfügbar sind. Zwar ist insbesondere die Herstellung von Aluminium energieintensiv, doch zählt der Rohstoff selbst nicht zu den knappen Ressourcen und ist vollständig recycelbar.

In geringen Mengen wird derzeit noch Silber für die elektrischen Kontakte in Solarzellen eingesetzt. Dieser Anteil ist jedoch in den vergangenen Jahren deutlich gesunken. Gleichzeitig treiben Forschungseinrichtungen wie das Fraunhofer-Institut und Hersteller die Entwicklung alternativer Technologien voran, etwa die Metallisierung mit Kupfer. Kupfer ist reichlich vorhanden, kostengünstig und ebenfalls gut recycelbar. Der oft geäusserte Vorwurf, Solarenergie sei von seltenen oder kritischen Rohstoffen abhängig, lässt sich mit Blick auf die tatsächliche Materialzusammensetzung nicht halten.

Mythos 2: Solarzellen funktionieren nur bei Sonnenschein
Solarzellen erzeugen nicht nur bei strahlendem Sonnenschein Strom. Zwar ist die Leistung bei direkter Sonneneinstrahlung am höchsten, doch auch bei bewölktem Himmel bleibt die Stromproduktion erhalten. Der Grund: Photovoltaikmodule wandeln nicht nur direktes Sonnenlicht um, sondern auch sogenanntes diffuses Licht, das durch Wolken gestreut wird.

Bei klarem Himmel erreicht die solare Einstrahlung in Mitteleuropa im Sommer Werte von bis zu rund 1000 Watt pro Quadratmeter (W/m²). Bei leichter bis mittlerer Bewölkung liegen die Werte typischerweise zwischen 300 und 600 W/m². Selbst bei starker Bewölkung können Solaranlagen noch etwa 200 W/m² liefern. Solarstrom wird also auch ohne direkte Sonneneinstrahlung produziert, wenn auch mit reduziertem Ertrag.

Hinzu kommt, dass sich die Technologie in den vergangenen Jahren stark weiterentwickelt hat. Neue Zelltypen und verbesserte Oberflächenstrukturen sorgen dafür, dass heutige Module deutlich effizienter auf schwache Lichtverhältnisse reagieren als frühere Generationen. Das sogenannte Schwachlichtverhalten hat sich kontinuierlich verbessert.

Mythos 3: Die Schweiz ist kein geeignetes Land für Solarenergie
Tatsächlich verfügt die Schweiz über ein beträchtliches Potenzial für Solarenergie, das bisher bei Weitem noch nicht ausgeschöpft ist. Solaranlagen auf geeigneten Dach- und Fassadenflächen könnten deutlich mehr Strom erzeugen, als aktuell produziert wird.

Das Bundesamt für Energie (BFE) schätzt das realistische Potenzial auf rund 50 Terawattstunden (TWh) pro Jahr allein auf Dachflächen. Berücksichtigt man zusätzlich geeignete Fassadenflächen, steigt die theoretisch nutzbare Menge auf etwa 67 TWh pro Jahr. Ende 2025 deckt die Photovoltaik bereits rund 14 % des Endverbrauchs. Diese Jahresproduktion von über 8 TWh entspricht der Jahresstromproduktion des AKW Gösgen.

Solarenergie ist damit bereits systemrelevant, und ihr Beitrag wächst kontinuierlich weiter.

Diese Zahlen machen deutlich: Die Schweiz verfügt über ein grosses und nur teilweise genutztes Solarpotenzial. Würden die geeigneten Dach- und Fassadenflächen konsequent mit Solaranlagen ausgestattet, könnte ein bedeutender Teil des heutigen Strombedarfs abgedeckt werden.

Mythos 4: Wetterbedingungen führen zu „Flatterstrom“
„Flatterstrom“ ist ein Begriff, der die schwankende Stromproduktion aus erneuerbaren Quellen wie Sonne und Wind bezeichnet und der diese Stromproduktion damit abwerten soll. Tatsächlich variiert die Energieeinspeisung je nach Wetter, Tageszeit oder Jahreszeit. Das ist technisch und organisatorisch herausfordernd, aber kein unlösbares Problem.

Ein Kernprinzip moderner Energiesysteme ist Flexibilität: Überschüssiger Strom kann gespeichert und später genutzt werden. Batteriespeicher eignen sich für kurzfristige Schwankungen und entlasten das Stromnetz, während Pumpspeicherkraftwerke in der Schweiz grosse Energiemengen zwischenspeichern können. Langfristig können zudem neue Technologien wie Wasserstoffspeicherung zur Stabilisierung beitragen.

Auch der Verbrauch selbst kann flexibel gesteuert werden, um das Stromsystem besser an die schwankende Produktion erneuerbarer Energien anzupassen. Entsprechende Lastmanagementsysteme gehören heute zu allen PV-Anlagen mit Eigenverbrauch. Eine solche Steuerung ist sinnvoll, weil sie ebenfalls mithilft, das Netz zu entlasten. Dynamische Stromtarife, die den Strompreis je nach Angebot variieren lassen, können dazu beitragen, dass Verbraucher ihren Stromverbrauch anpassen. Wenn beispielsweise Solarproduktion hoch ist und Preise sinken, wird mehr Strom genutzt; bei knapper Verfügbarkeit steigen die Preise.

Die intelligente Steuerung von Geräten unterstützt Verbraucherinnen und Verbraucher dabei, ihren Strombedarf automatisch zu optimieren. Dies sind zentrale Instrumente, um das Stromnetz effizienter und stabiler zu machen.

Darüber hinaus erhöht ein diversifizierter Energiemix die Stabilität der Versorgung: Solar- und Windenergie ergänzen sich zeitlich sehr gut. Wasserkraft und Biomasse sorgen zudem gezielt für Netzstabilität. Biomasse ist besonders wertvoll, da sie ebenfalls verwertbare Reststoffe nutzt.

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